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A
  • Was ist eine „Arbitrage“?
    Arbitrage beschreibt das Ausnutzen von Preisunterschieden auf verschiedenen Märkten für identische Waren oder Finanzprodukte. Bei Wertpapieren lassen sich Arbitrage-Gewinne realisieren, wenn an zwei verschiedenen Börsen das gleiche Wertpapier zu unterschiedlichen Preisen gehandelt wird und der Arbitrageur am „billigeren Markt” kauft und idealerweise gleichzeitig am „teureren Markt” wieder verkauft. Damit sind Arbitrage-Geschäfte nicht nur weitgehend risikolos, sondern führen auch zu einer Preisanpassung an verschiedenen Märkten. 
  • Was ist die „Außenhandelsbilanz“?  
    Differenz zwischen dem Wert der aus einem Land ausgeführten und eingeführten Waren. Man spricht von einem Außenhandelsüberschuss (Außenhandelsdefizit), wenn die Ausfuhren (Einfuhren) eines Landes die Einfuhren (Ausfuhren) übersteigen.
B
  • Was ist eine „Bad Bank“?
    Eine Bad Bank (aus dem Englischen für „schlechte Bank”) ist eine Zweckgesellschaft zur Abwicklung von vom Ausfall bedrohten Wertpapieren oder Krediten. Eine angeschlagene Bank kann somit – unter Einhaltung bestimmter Auflagen – zur Bereinigung ihrer Bilanz und zur Verbesserung ihrer Kreditvergabemöglichkeiten hochriskante Wertpapiere und Kredite auf eine Bad Bank übertragen. 
  • Was ist ein „Barrel“?  
    Das „Barrel” (bl) ist eine amerikanische Volumen-Maßeinheit für Rohöl und Rohölprodukte. Dabei entsprechen 158,987 Liter einem „Barrel” und somit einem Fass Rohöl.
  • Was ist ein „Boom“?
    Der Begriff „Boom” kommt aus dem Englischen und bezeichnet im konjunkturtheoretischen Sinne eine Phase der Hochkonjunktur, die aufgrund von sehr hoher Nachfrage die wirtschaftlichen Kapazitäten voll auslastet. Im Boom herrscht Vollbeschäftigung und die Preise für Güter, Arbeit (Löhne) sowie für Kapital (Zinsen) steigen. Sobald durch die gesteigerte Produktion eine Marktsättigung eintritt bzw. aufgrund der höheren Zinsen die Kreditnachfrage der Unternehmen und privaten Haushalte zurückgeht, folgt die Phase des wirtschaftlichen Abschwungs (Rezession).
  • Was ist das „Bruttoinlandsprodukt“ (BIP)?
    Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die gesamte Wertschöpfung eines Landes innerhalb einer Periode. Es umfasst alle von In- und Ausländern in den einzelnen Wirtschaftsbereichen innerhalb der Landesgrenzen erstellen und zu Marktpreisen bewerten Waren und Dienstleistungen nach Abzug der als Vorleistungen verbrauchten Güter zuzüglich nichtabzugsfähiger Umsatzsteuer und Einfuhrabgaben. Das BIP wird im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung ermittelt. Die prozentuale Veränderung des realen BIP (BIP zu konstanten Preisen eines bestimmten Basisjahres) ist ein wichtiger Indikator für wirtschaftliches Wachstum.
D
  • Was ist der „DAX“?
    Der DAX ist der wichtigste deutsche Aktienindex. Er beschreibt die Entwicklung der Aktien der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Gegründet wurde der DAX 1988, sein Startwert wurde damals auf 1.000 Punkte festgelegt. Der Wert des DAX ergibt sich aus gewichteten Veränderungen der Kurse wie auch der Dividendenzahlungen der 30 DAX-Unternehmen.
  • Was ist ein „Defizitkriterium“?
    Das Defizitkriterium ist eines der Konvergenzkriterien zum Eintritt in die Europäische Währungsunion (EWU). Das Defizitkriterium bildet zusammen mit dem Schuldenstandskriterium die Fiskalkriterien. Nach dem Defizitkriterium darf die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte den Referenzwert von drei Prozent bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt in dem der Konvergenzprüfung vorausgehenden Kalenderjahr nicht überschreiten. Durch die Begrenzung der Neuverschuldung sollte sichergestellt werden, dass die Verschuldung der öffentlichen Haushalte nicht überhandnimmt und eine Erhöhung des Zinsniveaus verursacht.
  • Was ist die „Deflation“?
    Deflation bedeutet das Absinken des allgemeinen Preisniveaus. Eine Deflation ist gegeben, wenn die Inflationsrate einen negativen Wert aufweist. Die Deflation unterscheidet sich damit von der Disinflation, bei der es sich um einen Rückgang der Inflationsrate handelt, die Inflationsrate aber in der Regel noch im positiven Bereich verbleibt. Deflation, im Gegensatz zu Disinflation, ist mindestens genauso wenig wünschenswert wie Inflation, da sie in aller Regel stark negative Auswirkungen auf eine Volkswirtschaft hat, wie sich in den Jahren der Weltwirtschaftskrise zu Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte. Im Rahmen ihrer geldpolitischen Strategie verfolgt die EZB das Ziel, die Inflationsrate unter, aber nahe zwei Prozent zu halten. Auch zu niedrige Inflation ist nach dieser Sicht eine Zielverfehlung. Die EZB nutzt daher ihre geldpolitischen Instrumente, um das Abweichen der Inflation von ihrem Zielwert in beide Richtungen zu bekämpfen.
  • Was ist eine „Depression“?
    Als Depression (lat. deprimere = niederdrücken) bezeichnet man den konjunkturellen Tiefstand einer Volkswirtschaft. Während bei der Rezession (konjunktureller Abschwung) das Wachstum rückläufig ist, wird das Verharren der Wirtschaft – für einen ungewöhnlich langen Zeitraum – auf ihrem Tiefstand als Depression bezeichnet. Charakteristische Merkmale einer Depression sind ein Rückgang des BIP, hohe Arbeitslosigkeit, Überkapazitäten und Insolvenzen.
  • Was ist die „Deutsche Bundesbank“?
    Die Deutsche Bundesbank ist die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland. Durch das Bundesbankgesetz vom 26.7.1957 wurden die neun von den westlichen Besatzungsmächten geschaffenen, rechtlich selbstständigen Landeszentralbanken und die Berliner Zentralbank mit der Bank deutscher Länder (BdL) als deren Spitzeninstitut zur Deutschen Bundesbank verschmolzen. Mit der Errichtung der Europäischen Zentralbank (EZB) ging die geld- und währungspolitische Verantwortung auf die EZB über. Die deutsche Bundesbank ist jedoch noch Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken. 
  • Was sind „Devisen“?
    Devisen sind von Inländern bei Kreditinstituten im Ausland unterhaltene, auf fremde Währungen lautende Guthaben (Buchwährung). Banknoten und Münzen (also Bargeld) einer ausländischen Währung werden als Sorten bezeichnet und rechnen nicht zu den Devisen.
  • Was ist ein „Devisenkurs“?
    Siehe Wechselkurs.
  • Was ist der „Devisenmarkt“? 
    Der Devisenmarkt (im Englischen auch Foreign Exchange Market bzw. FX Market) ist der Handelsplatz, an dem das Angebot für bestimmte Währungen auf die Währungsnachfrage trifft und somit deren Wechselkurse bestimmt. Da Devisenbörsen weitgehend abgeschafft wurden, findet der Devisenhandel in der heutigen Zeit überwiegend zwischen den Banken statt. 
  • Was ist ein „Diskontsatz/Basiszinssatz“?
    Der Diskontsatz war der Zinssatz, den die Bundesbank Kreditinstituten für die Gewährung des Diskontkredits berechnete. Er erfüllte dabei die Funktion eines Leitzinses, da sich Kreditinstitute zu diesem kurzfristig mit Liquidität versorgen konnten. Im Zuge der Verlagerung der geldpolitischen Befugnisse von der Bundesbank auf das Europäische System der Zentralbanken wird der Diskontsatz der Bundesbank seit dem 1.1.1999 nicht mehr festgesetzt. Er wurde vom Basiszinssatz abgelöst. Dieser liegt 88 Basispunkte unter seiner Bezugsgröße, dem Hauptrefinanzierungssatz, und wird zum 1. Januar und 1. Juli eines Jahres an dessen Veränderung proportional angepasst. Der Basiszinssatz wird zur Festsetzung von Verzugszinsen benutzt und ihm kommt daher besonders in juristischen Angelegenheiten Bedeutung zu.
E
  • Wofür steht „ESM“?
    Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) soll mittelfristig die derzeit noch gültige Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) ersetzen. Beide Maßnahmen zusammen verfügen über Mittel in Höhe von ca. 700 Milliarden Euro, um die Zahlungsfähigkeit aller Länder der Eurozone zu sichern. Gerät ein EU-Land in finanzielle Nöte, kann es aus dem ESM mit günstigen Krediten versorgt werden. Im Gegenzug muss der Nehmerstaat jedoch die strengen wirtschaftspolitischen Auflagen des ESM erfüllen.
  • Was ist der „EU-Fiskalpakt“?
    Dieses Maßnahmenpaket verpflichtet die europäischen Staaten seit März 2012 zur gemeinschaftlichen Zusammenarbeit in der Steuer- und Finanzpolitik. Er ist sowohl Folge der Staatsschuldenkrise in der Eurozone als auch Resultat der engen wirtschaftlichen Verflechtungen der EU-Länder. Der Fiskalpakt schreibt den Ländern eine verbindliche maximale jährliche Defizitquote vor. Bei Überschreiten dieser Defizitgrenzen kann die EU Kommission automatische Sanktionen aussprechen. Auf diese Weise soll der Fiskalpakt zur Steigerung der Haushaltsdisziplin in den Ländern beitragen. Bis auf Großbritannien und Tschechien haben 25 der 27 Mitgliedsländer den Vertrag unterzeichnet.
  • Wofür steht „Euribor“?
    (Euro Interbank Offered Rate) Bezeichnung für den Zinssatz, zu dem sich Kreditinstitute in Europa gegenseitig Geld leihen. Der Euribor ist der maßgebliche Basiszins für eine Vielzahl von Finanz- und Anlageinstrumenten.
  • Was versteht man unter dem „Euro“?
    Euro (ISO-Währungscode EUR) ist der Name der europäischen Währung in den Teilnehmerländern der Europäischen Währungsunion (EWU), der bei der Tagung des Europäischen Rats am 15. und 16.12.1995 in Madrid beschlossen wurde. Er wird anstelle der ursprünglich geplanten Bezeichnung ECU (European Currency Unit) verwendet.
  • Was sind „Eurobonds“?
    Eurobonds bezeichnen Anleihen, welche die Länder der Eurozone gemeinschaftlich herausgeben und bei denen sie als Emittent gemeinsam für die Zinszahlung sowie die Rückzahlung am Laufzeitende haften. Das heißt konkret: Wird ein Euroland zahlungsunfähig, übernehmen die anderen Mitgliedsländer an seiner Stelle die Zahlungsverpflichtung. Eurobonds werden innerhalb der Eurozone kontrovers diskutiert. Bislang sind sie noch nicht eingeführt worden.
  • Was ist die „Europäische Bankenunion“?
    Die in der Diskussion stehende Europäische Bankenunion strebt an, die Risiken der privaten Finanzwirtschaft von den Risiken des jeweiligen Heimatstaates zu trennen. Ziel einer Bankenunion ist es, Wachstum und Beschäftigung zu fördern, indem die Geschäftsbanken innerhalb der Eurozone ihre günstigeren Refinanzierungskonditionen an die Privatwirtschaft weitergeben. Heute existiert eine starke Interdependenz zwischen den Risiken der Banken eines Landes und den Risiken ihres jeweiligen Heimatlandes. Ursache ist unter anderem ein stark fragmentiertes, auf die Interessen des jeweiligen Heimatlandes ausgerichtetes und unterschiedlichen Standards folgendes System der Bankenaufsicht innerhalb der Eurozone. Kernelement einer Europäischen Bankenunion ist daher eine nach einheitlichen Regeln und möglicherweise von einer einzigen Stelle ausgeübte Aufsicht und Kontrolle aller rund 6.000 innerhalb der Europäischen Währungsunion tätigen Geschäftsbanken. Weitere Bestandteile einer Bankenunion sind ein einheitliches Verfahren zur Abwicklung insolventer Institute sowie ein europaweites System der Einlagensicherung.
  • Was ist die „Europäische Kommission“?
    Als supranationales exekutives Organ der Europäischen Union (EU), vergleichbar mit einer nationalen Regierung, verantwortet die Europäische Kommission (abgekürzt auch EU-Kommission) von Brüssel aus die Umsetzung politischer Maßnahmen der EU und kontrolliert, zusammen mit dem Europäischen Gerichtshof, die Einhaltung des Europarechts. Die Kommission setzt sich dabei aus jeweils einem Kommissar bzw. einer Kommissarin jedes EU-Mitgliedsstaates zusammen, wobei eines dieser Kommissionsmitglieder auf Vorschlag des Europäischen Rats vom Europäischen Parlament zum Präsidenten der EU-Kommission ernannt wird und die restlichen Mitglieder unterschiedliche Ressorts vertreten. 
  • Was ist der „Europäische Rat“?
    Der Europäische Rat legt die allgemeinen politischen Zielvorstellungen und Prioritäten der Europäischen Union fest, wird jedoch nicht selbst gesetzgeberisch tätig. Er setzt sich zusammen aus den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten sowie dem Präsidenten des Europäischen Rates und dem Präsidenten der Europäischen Kommission. Der Hohe Vertreter der Union für Außen- und Sicherheitspolitik (der zugleich Vizepräsident der Europäischen Kommission ist) nimmt an seinen Arbeiten teil. Der Europäische Rat tritt zweimal pro Halbjahr zusammen, kann jedoch von seinem Präsidenten auch zu außerordentlichen Tagungen einberufen werden, und trifft Entscheidungen gewöhnlich im Konsens. Die Mitglieder des Europäischen Rates selbst wählen den Präsidenten mit qualifizierter Mehrheit und die Amtszeit beträgt zweieinhalb Jahre.
  • Was ist die „Europäische Währungsunion“ (EWU)?
    Die Europäische Währungsunion (EWU) ist die unwiderrufliche Fixierung der bilateralen nationalen Währungen, die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung (Euro) und die Zentralisierung der Geldpolitik im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Der Übergang zur Europäischen Währungsunion (EWU) am 1.1.1999 ist Bestandteil und markiert zugleich die Endstufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU). 
  • Was ist die „Europäische Wirtschafts- und Währungsunion“ (EWWU)?
    Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) ist der vollendete europäische Binnenmarkt, ergänzt durch eine vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs und eine einheitliche Geldpolitik mittels Einführung der gemeinsamen Währung – Euro – und Schaffung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Der Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) am 1.1.1999 markiert die dritte und letzte Stufe der EWWU.
  • Was ist die „Europäische Zentralbank“ (EZB)?
    Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Zentralbank der an der Europäischen Währungsunion (EWU) teilnehmenden Staaten. Die EZB bildet zusammen mit den nationalen Zentralbanken (NZB) das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Das vorrangige Ziel der EZB und des ESZB ist die Sicherung der Preisstabilität. Daneben sollen EZB und ESZB auch die allgemeine Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft unterstützen, allerdings nur soweit dies ohne Beeinträchtigung des Ziels der Preisstabilität möglich ist. Zentrales Beschlussorgan der EZB ist der EZB-Rat, der aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums der EZB und den Präsidenten der an der EWU teilnehmenden NZB besteht. Das Direktorium der EZB setzt sich aus dem Präsidenten dem Vizepräsidenten sowie vier weiteren Mitgliedern zusammen, die vom  Europäischen Rat mit qualifizierter Mehrheit ernannt werden.
  • Was ist der „Euro-Rettungsschirm“?
    Dieser politische Begriff bezeichnet das gesamte Maßnahmenpaket der EU-Staaten zur Stabilisierung der Eurozone. Seit 2010 wurden deshalb vor allem mit Hilfe von Krediten die Länder Griechenland, Irland und Portugal unterstützt, die sich in finanzieller Schieflage befanden. Diese Aufgabe hat teilweise auch der Internationale Währungsfonds (IWF) übernommen. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) ist ebenso Teil des Rettungsschirms wie die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF).
F
  • Was ist das Federal Reserve System” (auch: die Fed)?
    Das Federal Reserve System (Fed) besteht aus dem Ausschuss der Zentralbank (Fed's Board of Governors), zwölf regionalen Federal Reserve Banks, dem Federal Open Market Committee und einer Vielzahl von Finanzinstitutionen (Mitgliedspflicht ab einer bestimmten Größe) und bildet in seiner Gesamtheit die US-amerikanische Notenbank. Neben der allgemeinen Geldpolitik übernimmt die Fed auch regulatorische Aufgaben und stellt die Bankenaufsicht, um die Stabilität des Finanzsystems zu bewahren. Zusätzlich kümmert sich die Fed um die Aufrechterhaltung des Zahlungssystems und dient als Banker für das Finanzministerium der Vereinigten Staaten.
G
  • Was ist die „Geldmenge“?
    Die Geldmenge ist die Summe der Geldbestände eines Währungsgebietes, die der inländische Nichtbankensektor zu einem bestimmten Zeitpunkt hält. Hierzu zählen grundsätzlich der Bargeldumlauf sowie unterschiedlich weite Abgrenzungen der Einlagen bei Banken, je nach dem Grad ihrer Geldnähe. Die Europäische Zentralbank beobachtet die Entwicklung der Geldmenge (in der weit gefassten Abgrenzung M3) im Rahmen ihrer geldpolitischen Strategie.
  • Was ist die „Geldpolitik“?
    Geldpolitik ist die Gesamtheit der Maßnahmen zur Steuerung des Geldumlaufs und der Kreditversorgung in einer Volkswirtschaft. Der Träger der Geldpolitik ist die Zentralbank des Währungsgebietes, im Fall der Länder der Europäischen Währungsunion (EWU) also die Europäische Zentralbank (EZB). Zur Durchführung der Geldpolitik stehen der EZB verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung, deren Einsatz eine bestimmte geldpolitische Strategie zugrunde liegt. 
  • Was ist die „Geldschöpfung“?
    Durch die Gewährung von Krediten der Zentralbank an die Geschäftsbanken wird Zentralbankgeld geschaffen. Die Geschäftsbanken wiederum schaffen (Buch)geld durch ihre Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen. Die vergebenen Kredite müssen jedoch mit einer bestimmten Menge an Zentralbankreserven, dem Mindestreservesatz, und abhängig vom Risiko des vergebenen Kredites mit Eigenkapital abgesichert werden. Da die Geschäftsbanken lediglich Buchgeld, aber kein Zentralbankgeld schaffen können, müssen sie sich das benötigte Zentralbankgeld von der Zentralbank oder über den Geldmarkt von anderen Banken mit überschüssigen Reserven, leihen. Auf diesem Weg kann die Zentralbank mit Hilfe des Leitzinses die Geldschöpfung der Banken beeinflussen, indem sie z. B. durch eine Erhöhung des Leitzinses die Kosten der Banken für die Kreditvergabe erhöht.
  • Was bedeutet „Geldwertstabilität”?
    Bezeichnet grundsätzlich die Vermeidung von übermäßiger Inflation bzw. Deflation, der Wert des Geldes soll also auf einem nahezu konstanten Niveau gehalten werden.Die europäische Zentralbank spricht dann von Geldwertstabilität, wenn das allgemeine Preisniveau mittelfristig mit einer Rate von unter zwei Prozent –aber nicht deutlich darunter- ansteigt.
H
  • Was ist ein „Haushaltsdefizit“?
    Ein Haushaltsdefizit ist eine durch Kreditaufnahme zu finanzierende Lücke im staatlichen Haushalt. Ein Defizit liegt vor, wenn im Haushaltsplan bzw. in der Haushaltsrechnung die geplanten bzw. tatsächlichen Ausgaben (ohne Ausgaben zur Schuldentilgung) die geplanten bzw. tatsächlichen Einnahmen aus Abgaben (Steuern, Gebühren, Beiträgen) und Erwerbseinkünften übersteigen. Aussagekräftig wird das Defizit, wenn es in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt wird. Die entsprechende Relation zeigt an, wie groß die jährliche Neuverschuldung bezogen auf die Wirtschaftsleistung dieses Jahres war. Der Vertrag der Europäischen Gemeinschaft sieht für die Teilnahme an der Währungsunion eine Obergrenze des Defizits vor; begründet wird dies mit der Idee einer langfristigen tragfähigen Verschuldung.
  • Was ist eine „Hyperinflation“?
    Als Hyperinflation wird eine extreme Form der Geldentwertung bezeichnet. Nach einer Faustregel wird ab einer monatlichen Inflationsrate von mehr als 50 Prozent von einem derartigen Zustand gesprochen. In Deutschland herrschte zuletzt im Jahr 1923 eine Hyperinflation, nachdem Kriegsausgaben und die Folgekosten des Ersten Weltkriegs über die Notenpresse finanziert worden waren. 
I
  • Was ist die „Immobilienblase”?
    Eine Immobilienblase (oder auch allgemein Spekulationsblase, nicht auf Immobilien beschränkt) entsteht durch eine drastische, in der Regel kreditfinanzierte, Überbewertung von Immobilien, dadurch erfolgt ein Preisanstieg. Die Blase „platzt“ im weiteren Verlauf durch einen dramatischen Preisverfall innerhalb sehr kurzer Zeit, wodurch sich das Preisniveau wieder normalisiert.
  • Was versteht man unter „Inflation”?
    Inflation ist der anhaltende Prozess der Geldentwertung, der sich in einem trendmäßigen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus zeigt (Gegensatz: Deflation). In diesem Sinne liegt keine Inflation vor, wenn ein einzelner Preis über einen längeren Zeitraum steigt oder wenn infolge eines ungewöhnlichen Ereignisses (z. B. Missernte) das allgemeine Preisniveau einmalig ansteigt. Für die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank spielt die Analyse der Inflationsentwicklung eine wichtige Rolle.
  • Was ist ein „Interbankenmarkt“?
    Als Interbankenmarkt versteht man jenen Markt, an dem die Gesamtheit der zwischen Banken stattfindenden Geschäfte getätigt wird. Neben Devisen, Wertpapieren und Derivaten werden auch kurzfristige liquiditätsausgleichende Geschäfte (Geldmarktgeschäfte) im Interbankenmarkt zusammengefasst. 
  • Was ist der „Internationale Währungsfonds“ (IWF)?     
    Die Errichtung des Internationalen Währungsfonds mit Sitz in Washington D.C. (im Englischen „International Monetary Fund”) war eine der Errungenschaften der Bretton-Woods-Konferenz 1944 und stellt mit 146 Mitgliedsstaaten eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen dar. Der Hintergrund seiner Gründung war die Kontrolle und Festsetzung der Regeln im Bretton-Woods-System fester Wechselkurse. Seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahre 1973 besteht die Hauptaufgabe des IWF in der Förderung der internationalen Währungspolitik, der Kreditvergabe an Mitgliedsstaaten, um temporäre Probleme in der Zahlungsbilanz zu überbrücken, der Ausweitung des Welthandels und Überwachung der Geldpolitik. 
  • Was ist die „Investmentbank“?     
    Die Geschäftstätigkeit einer Investmentbank besteht im Wesentlichen in der Emission von Wertpapieren für Unternehmen und staatliche Einrichtungen, im Handel mit Wertpapieren, Devisen und Finanzprodukten jeglicher Art, in der Unterstützung und Beratung bei Börsengängen sowie Übernahmen und Fusionen und in der Verwaltung des Vermögens ihrer Kunden. Dies unterscheidet sich klar von den Aufgaben von Kreditinstituten, bei denen das Kredit- und Einlagengeschäft im Vordergrund steht. Investmentbanken entstanden durch die von Anfang der 30er Jahre bis Ende des 20. Jahrhunderts in den USA gesetzlich verordnete Trennung von Kreditinstituten und Investmentbanken. Dieses Trennbankensystem herrscht im kontinentaleuropäischen Universalbankensystem fast nicht vor, da hier Großbanken in fast allen Bankgeschäften tätig sind. 
K
  • Was sind „Kaufkraftparitäten“ (KKP)?
    Die Kaufkraftparität (im Englischen „Purchasing Power Parity”, PPP) gibt an, wie viele Währungseinheiten in unterschiedlichen Ländern erforderlich sind, um einen vordefinierten Warenkorb an Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Es herrscht Kaufkraftparität, wenn nach Umrechnung der Währungen zum Wechselkurs der vordefinierte Warenkorb in beiden Ländern das Gleiche kostet. Ist dies der Fall, stimmen nominaler und realer Wechselkurs überein.
  • Was sind „Konvergenzkriterien“?
    Konvergenzkriterien, auch Maastricht-Kriterien genannt, sind die im Maastrichter Vertrag festgelegten Kriterien für den Eintritt in die EWU. Die Konvergenzkriterien sollen überprüfen, ob in den Ländern, die sich einen Beitritt zur Eurozone wünschen, eine solide Basis für einen stabilen Euro besteht, d. h., ob die Eignung zu einer gemeinsamen Geld- und Währungspolitik vorhanden ist. Zu den relevanten Kriterien gehören dabei: Preisstabilität, Finanzlage der öffentlichen Hand, Wechselkurs und langfristige Zinssätze.
  • Was ist die „Kreditklemme“?
    Eine Kreditklemme bezeichnet eine Situation, in der Banken die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen einschränken, so dass die übliche Versorgung der Wirtschaft eines Landes mit Krediten beeinträchtigt ist und dadurch ein maßgebliches konjunkturelles Risiko entsteht. Sie kann durch eine stark veränderte Bonitätseinschätzung der Kreditnehmer aufgrund eines starken Konjunktureinbruchs entstehen oder auch durch eine stark abnehmende Neigung der Banken zur Kreditvergabe, z. B. aufgrund von Deleveraging oder eigener Schwierigkeit, zur Finazierung von Krediten an ausreichende Liquidität zu angemessenen Kosten zu kommen.
L
  • Was ist die „Leistungsbilanz“?
    Die Leistungsbilanz steht auf der Aktivseite der Zahlungsbilanz und setzt sich zusammen aus der Handelsbilanz (Warenverkehr mit dem Ausland), der Dienstleistungsbilanz (für das Ausland erbrachte Dienstleistungen) und der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie der Bilanz der laufenden Übertragungen. Ein Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass die betreffende Volkswirtschaft mehr produziert, als sie an eigenen und fremden Gütern verbraucht. Dadurch baut sie Auslandsvermögen auf. Bei einem Leistungsbilanzdefizit ist es umgekehrt.
  • Was ist ein „Leitzins“?
    Der Leitzins ist der kurzfristige Zinssatz, der von der Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen Maßnahmen, auf dem Geldmarkt gesetzt wird. Eine Anhebung der Leitzinsen signalisiert einen restriktiveren geldpolitischen Kurs, eine Senkung signalisiert einen expansiveren Kurs. Dem Leitzins kommt am Geldmarkt eine Signalwirkung zu. Im Euroraum wird der Leitzins von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesetzt. Die Leitzinsen der EZB sind die Zinssätze der Spitzenrefinanzierungsfazilität, der Einlagefazilität und der Hauptrefinanzierungsgeschäfte, wobei in der Regel der Hauptrefinanzierungszinssatz gemeint ist, wenn von „dem” Leitzins gesprochen wird.
  • Was ist der „Lissabon-Vertrag“?
    Hintergrund des Lissabon-Vertrages, der am 1.12.2009 in Kraft getreten ist, war, dass durch eine umfassende institutionelle Reform den wachsenden Aufgaben der Europäischen Union (EU) Rechnung getragen und die Handlungsfähigkeit der EU weiterhin aufrechterhalten werden sollte. Diese institutionelle Reform sollte die EU demokratischer, transparenter und effizienter machen. Neben dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU-Vertrag), der auch die Rolle der Europäischen Zentralbank als Organ der EU definiert, enthält der Lissabon-Vertrag auch den EU-Vertrag (oder auch Maastricht-Vertrag), der als Basis für die politische EU mit einer gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion sowie einer gemeinsamen Außenpolitik dient. 
  • Was ist der „London Interbank Offered Rate” (Libor)?
    Der London Interbank Offered Rate (Libor) ist ein täglich berechneter Durchschnittszinssatz für kurzfristige Interbankenkredite. Zur Berechnung befragt die British Bankers‘ Association ausgewählte Banken mit bester Bonität, zu welchem Zinssatz sie am Interbankenmarkt von anderen Banken Gelder aufnehmen können. Neben 15 unterschiedlichen Laufzeiten, darunter auch die häufigsten Termingeschäftslaufzeiten (ein, zwei, drei, sechs und zwölf Monate), werden zehn verschiedene Währungen berücksichtigt. Der Libor dient weltweit als Referenzzinssatz für viele Finanzinstrumente des Geldmarktes.
M
  • Was sind die „Maastricht-Kriterien“?
    Auch als Konvergenzkriterien bezeichnet, definieren diese seit dem Vertrag von Maastricht aus dem Jahre 1992 die Bedingungen, die ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union (EU) zu erfüllen hat, wenn dieser der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) beitreten und den Euro als offizielle Währung verwenden will. Insbesondere gelten vier Bedingungen, die allesamt die Konvergenz unter den Mitgliedsländern erhöhen sollen: i) Mitgliedsstaaten müssen eine anhaltende Preisstabilität nachweisen, die sich an der durchschnittlichen Inflationsrate der drei preisstabilsten Mitgliedsstaaten orientiert, ii) die Finanzlage der öffentlichen Hand darf nicht durch übermäßige Verschuldung (das öffentliche Defizit darf nicht mehr als drei Prozent und der öffentliche Gesamtschuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP ausmachen) gekennzeichnet sein, iii) Wechselkurse dürfen nur innerhalb einer normalen Bandbreite vom Eurokurs abweichen, d. h. die Mitgliedsstaaten müssen mindestens zwei Jahre erfolgreich am Wechselkursmechanismus II teilgenommen haben, und iv) der durchschnittliche langfristige Nominalzins darf im Jahr vor der Beitrittsprüfung nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder der Europäischen Währungsunion liegen.
  • Was ist die „Mortgage Backed Security“ (MBS)?     
    Als Mortgage Backed Security (im Deutschen auch hypothekenbesichertes Wertpapier) bezeichnet man solche forderungsbesicherten Wertpapiere, die durch Verbriefung von Hypothekendarlehen entstehen. Unterschieden wird zwischen MBS, die durch Gewerbe- und Mehrfamilienimmobilien besichert sind (Commercial Mortgage Backed Securities, CMBS), und solchen die durch private Wohnimmobilien besichert sind (Residential Mortgage Backed Securities, RMBS). 
O
  • Was ist die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD)?
    Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (im Englischen „Organisation for Economic Co-operation and Development”, OECD) ist eine internationale Institution, zusammengeschlossen aus 34 wichtigen Industrieländern, mit Sitz in Paris. Die Ziele dieser Institution sind unter anderem, durch einen steigenden Lebensstandard und eine nachhaltige Wirtschaftspolitik in den Teilnehmerstaaten zur Entwicklung der Weltwirtschaft beizutragen und die Ausweitung des Welthandels zu fördern. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde als Folge der Römischen Verträge 1961 gegründet und basiert auf der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, die 1948 zusammen mit 18 europäischen Ländern gegründet wurde und deren Hauptaufgabe die Verwaltung der Gelder aus dem Marshall-Plan war.
P
  • Was ist ein „Preisindex“?
    Der Preisindex ist ein gewichtetes Maß von einzelnen Preisen einer bestimmten Güterkategorie, bezogen auf ein Basisjahr. Sinnvoll kann ein Preisindex nur bezüglich seiner Veränderungsraten, nicht jedoch hinsichtlich seines Niveaus interpretiert werden. Ein Preisindex bildet die Grundlage für die Messung von Inflation bzw. Deflation und damit auch für die Feststellung, ob das Ziel Preisniveaustabilität erreicht ist. Die Europäische Zentralbank bezieht sich auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), um zu beurteilen, ob Preisstabilität gewährleistet ist.
  • Was ist die „Preisstabilität“?
    Preisstabilität, auch Preisniveaustabilität oder Geldwertstabilität genannt, ist der Zustand, in dem weder eine Deflation noch eine Inflation vorliegt. Im strengsten Sinne herrscht Preisniveaustabilität, wenn die Steigerungsrate des allgemeinen Preisniveaus (Inflations- oder Preissteigerungsrate) im Zeitverlauf null beträgt. Diese strenge Definition ist aber praktisch nicht anwendbar, da die EZB ausreichend geldpolitischen Spielraum für Zinssenkungen braucht. Deshalb definiert die Europäische Zentralbank Preisstabilität als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter, aber nahe zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Was ist eine „Produktionslücke“?
    Die Produktionslücke ergibt sich aus der Differenz zwischen der realisierten Produktion einer Volkswirtschaft und ihrem Produktionspotenzial. Befindet sich die realisierte Produktion unterhalb des eigentlichen Produktionspotenzials (negative Produktionslücke), dann bedeutet das, dass wirtschaftliche Ressourcen nicht effizient im Rahmen ihrer Möglichkeiten ausgenutzt werden. Dem entgegengesetzt führt eine positive Produktionslücke zu einer Überhitzung der Wirtschaft und führt in der volkswirtschaftlichen Theorie neben sinkender Arbeitslosigkeit zu steigenden Inflationsraten. 
  • Was ist ein „Produktionspotenzial“?
    Das Produktionspotenzial beschreibt die gesamtwirtschaftliche Produktionsleistung, die in einer Volkswirtschaft unter normalen Arbeitsbedingungen und Kapitalauslastung erbracht werden kann. Die Veränderung des Produktionspotenzials hängt neben der Veränderung der Produktionsfaktoren vom technischen Fortschritt und vom Strukturwandel ab.
R
  • Was ist ein „Reallohn“?
    Im Gegensatz zum Nominallohn berücksichtigt der Reallohn die Veränderung des Preisniveaus. Das heißt der Reallohn entspricht dem Entgelt für geleistete Arbeit, bereinigt um die Inflationsrate. Somit führen Lohnerhöhungen für Arbeitnehmer nur zu einer Steigerung der Kaufkraft, wenn der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus unter der Lohnsteigerung liegt. Der Reallohn dient daher als ein guter Maßstab, um die Entwicklung der Kaufkraft von Löhnen zu beobachten. 
  • Was ist die „Realwirtschaft“?
    Als Realwirtschaft bezeichnet man den Teil der Gesamtwirtschaft, der mit Gütern, Dienstleistungen und Ressourcen handelt und nicht dem Finanzsektor zuzuschreiben ist. 
  • Was ist der „Realzins“?
    Zinsertrag unter Berücksichtigung der Inflation. Er ist definiert als Nominalzins abzüglich der Inflationsrate. 
  • Was ist eine „Reservewährung“?
    Die Reservewährung ist eine Währung, die häufig von Zentralbanken zur Bildung von Währungsreserven herangezogen wird. Seit Beginn der Europäischen Währungsunion ist der Euro nach dem Dollar die zweitwichtigste Reservewährung.
  • Was ist eine „Rezession“?            
    Phase im Konjunkturzyklus, in der die reale gesamtwirtschaftliche Wirtschaftsleistung schrumpft, ihre Veränderungsrate also negativ wird. Normalerweise spricht man von einer Rezession, wenn die Wachstumsraten für mindestens zwei Quartale hintereinander negativ sind.
S
  • Was ist die „Schuldenbremse“?
    Die Schuldenbremse wurde in Deutschland im Grundgesetz festgeschrieben. Im Jahr 2011 wurden neue Bedingungen festgelegt, um das Haushaltsdefizit nachhaltig abzubauen. Ab 2016 darf die jährliche strukturelle Nettokreditaufnahme durch den Bund nur noch 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entsprechen, ab 2020 ist vom Grundsatz her überhaupt keine Neuaufnahme für Bund und Länder mehr gestattet.
  • Was ist der „Schuldenschnitt“?
    Bei der Durchführung eines Schuldenschnittes handelt es sich um die Kürzung des beschlossenen Rückzahlungsbetrags eines Kredits oder einer Anleihe. Sollte der Kreditnehmer beispielsweise einen Kredit von 1.000 Euro zurückzahlen und es wurde ein Schuldenschnitt von 40 Prozent festgelegt, dann bekommt der Kreditgeber lediglich 600 Euro zurück. 
  • Was sind „Sorten“?
    Siehe Devisen.
  • Was versteht man unter „Staatsverschuldung”?
    Dieser Begriff bezeichnet die Gesamtschulden eines Staatshaushaltes. Ist ein Staat hoch verschuldet, zweifeln Kreditgeber die Sicherheit der Zahlungsfähigkeit des Landes an. Sie kaufen die Anleihen dieses Staates nur noch, wenn sie im Gegenzug hohe Zinszusagen erhalten. Erhöht sich der Zins, den ein Staat für Kredite zahlt, so verteuert sich auch seine Verschuldung. Die Staatsverschuldungsquote Deutschlands betrug im Jahr 2014 knapp 75 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes (BIP). Laut EU-Vertrag von Maastricht dürfen es maximal 60 Prozent sein.
  • Was ist „Stagflation“?
    Stagflation (Zusammensetzung aus den Begriffen Stagnation und Inflation) tritt dann auf, wenn hohe Preissteigerungen gleichzeitig mit stagnierendem Wirtschaftswachstum auftreten. Dies kann der Fall sein, wenn nach einer expansiven Finanzpolitik Preissteigerungen zu verzeichnen sind, jedoch kein höheres Wirtschaftswachstum. 
  • Was ist ein „Stresstest“?
    Mit Stresstests werden Simulationen bezeichnet, anhand derer die Folgen extremer Marktentwicklungen insbesondere auf die Bilanzpositionen von Finanzinstituten (Banken, Versicherungen) berechnet werden. Damit soll das Risiko einer möglichen Illiquidität ausfindig gemacht und verringert werden.
  • Was ist eine „systemrelevante Bank“?
    Eine Bank ist systemrelevant, wenn ihre Insolvenz schwere negative Auswirkungen auf das gesamte (inländische) Finanzsystem, oder zumindest wesentliche Teile davon, und zudem auf die Realwirtschaft hätte.
T
  • Was sind „Transaktionskosten“?
    Transaktionskosten sind allgemein alle Kosten, die im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Transaktionen entstehen,  insbesondere auch währungsbedingte Umtausch-, Absicherungs- und Informationskosten des internationalen Güterverkehrs. Transaktionskosten belasteten die europäischen Volkswirtschaften, solange keine einheitliche Währung eingeführt war. Der Wegfall dieser Kosten seit Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) hat einen positiven Effekt auf die Exporttätigkeit und das Wirtschaftswachstum zur Folge. Schließlich gehen die Exporte der EWU-Länder zu einem großen Teil in andere Mitgliedsländer. Auch Bürger haben mit der Euro-Bargeldeinführung 2002 keine Umtauschkosten mehr zu tragen, wenn sie sich z. B. als Touristen im EWU-Ausland aufhalten. 
  • Was ist die „Troika“?
    Die Troika ist eine Prüfkommission bestehend aus Vertretern des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission, die im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2009 gegründet wurde. Dieses Gremium überprüft die Einhaltung der Auflagen, an die die bilateralen Kredite von anderen Mitgliedsstaaten bzw. die bereitgestellten Hilfskredite aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) geknüpft sind. 
U
  • Was ist die „Umlaufsrendite“?
    Die Umlaufsrendite (auch Umlaufrendite oder Sekundärmarktrendite) ist der durchschnittliche Renditewert aller inländischen, auf Euro lautenden, bereits emittierten Anleihen erster Bonität, insbesondere Staatsanleihen, die sich aktuell im Umlauf befinden. Die Umlaufsrendite für Deutschland wird von der Deutschen Bundesbank ermittelt. Hierbei werden die Renditen nach Emittenten sowie Restlaufzeiten gruppiert und veröffentlicht. Die Umlaufsrendite spiegelt das Zinsniveau des Kapitalmarktes wider. Zudem ermöglicht die Umlaufsrendite die Einschätzung des Marktniveaus. Die Umlaufsrendite gilt daher auch als DAX-Pendant für den Rentenmarkt.
V
  • Was ist der „Vertrag von Maastricht”?
    Der Vertrag wurde am 7.2.1992 in Maastricht unterzeichnet und begründete die Europäische Union in ihrer heutigen Form. Wichtigster Vertragspunkt waren die Einführung der gemeinsamen Währung Euro sowie die Festlegung der Kriterien, welche die Mitgliedsstaaten finanziell erfüllen müssen, um den Euro einführen zu können (Konvergenzkriterien). Dadurch sollte die Stabilität der gemeinsamen Währung gesichert werden. Daneben beinhaltet der Vertrag eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres.
W
  • Was ist eine „Währung“?
    Die Währung ist die Geldeinheit und gesetzliches Zahlungsmittel eines Landes. Der Raum, in dem eine einheitliche Währung gilt, ist das Währungsgebiet (Währungszone). Am 1.1.1999 wurde im Rahmen einer Währungsumstellung der Euro in elf Staaten der Europäischen Union als neue Währung eingeführt. Das Euro-Währungsgebiet (Euroraum) umfasst derzeit 18 Teilnehmerstaaten.
  • Was ist „Währungspolitik“?
    Die Währungspolitik ist die Gesamtheit aller Maßnahmen, die auf optimale Gestaltung der Währung und des Währungsgeschehens eines Landes (nationale Währungspolitik) sowie das Miteinander der Währungen verschiedener Länder (internationale Währungspolitik) gerichtet sind. Dabei geht es insbesondere um die äußere Stabilität des Geldwerts, die Gestaltung der Währungsbeziehungen mit dem Ausland und die Sicherung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts.
  • Was ist der „Währungsraum“?
    Der Währungsraum (auch Währungsgebiet) ist der räumliche Geltungsbereich einer bestimmten Währung. Die Theorie der optimalen Währungsräume setzt sich mit dem Problem der Größe eines Währungsraumes auseinander. Sie stellt eine Beurteilungskonzeption dar, die Auskunft über die Eignung einer Ländergruppe zur Einführung einer gemeinsamen Währung gibt.
  • Was ist der „Wechselkurs“?
    Der Wechselkurs (auch Devisenkurs) ist der Preis für eine ausländische Währungseinheit. Dieser wird bei flexiblen Wechselkursen gemäß Angebot und Nachfrage nach Devisen am Devisenmarkt bestimmt. In einem System fixer Wechselkurse wird der Wechselkurs politisch festgesetzt und durch Devisenkauf bzw. -verkauf der Zentralbank  gestützt. Mit der Aufgabe der nationalen Währungen beim Übergang in die Europäische Währungsunion (EWU) sind Wechselkursanpassungen zwischen den EWU-Teilnehmerländern nicht mehr möglich.
  • Was ist ein „Wechselkursrisiko“?     
    Das Wechselkursrisiko entsteht im internationalen Handel, wenn die Entwicklung des Wechselkurses nicht vorhersehbar ist. Insbesondere bei starken Schwankungen der Wechselkurse können Unternehmen Einnahmen und Kosten aus den Ex- und Importgeschäften nicht mehr sicher kalkulieren. Innerhalb der Europäischen Währungsunion (EWU) gibt es seit 1.1.1999 keine Kursschwankungen mehr. Da der Außenhandel zwischen den EWU-Ländern einen hohen Anteil aufweist, ist also ein beträchtlicher Teil des Wechselkursrisikos entfallen.
  • Was ist die „Weltbank“?
    Eine wichtige Errungenschaft der Bretton-Woods-Konferenz im Juli 1944 war, neben der Entscheidung zur Gründung des Internationalen Währungsfonds, die Errichtung der Weltbank. Aufgabe der Weltbank war es, den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds eine stabile Währungsordnung zu garantieren. Seit den 60er Jahren liegt die Hauptaufgabe in der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lebensqualität von Menschen in Entwicklungsländern durch finanzielle Hilfen und Beratung.
  • Was ist die „Wirtschafts- und Währungsunion“?
    Die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) ist die Verknüpfung einer Wirtschaftsunion mit einem einheitlichen Währungssystem. 
Z
  • Was ist „Zinspolitik“?
    Die Zinspolitik ist die Beeinflussung der Geldmarktzinsen durch Veränderung der Leitzinsen durch die Zentralbank. Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Zinspolitik ergibt sich unter anderem daraus, dass die Höhe der Zinsen die Spar- und Investitionsentscheidungen der Unternehmen und privaten Haushalte beeinflusst.