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Wie funktioniert eine Zentralbank?

Die Geld- und Währungspolitik ist abgegrenzt von Finanz- und Wirtschaftspolitik. Die Finanz- und Wirtschaftspolitik wird von demokratisch gewählten Volksvertretern ausgeübt, die Geld- und Währungspolitik von der nationalen Zentralbank (auch Notenbank genannt). Zentralbankpolitiker werden in der Regel von der jeweiligen Regierung ernannt und vom Parlament bestätigt.

Die Europäische Währungsunion (EWU) und die Europäische Zentralbank (EZB).

1999 gründeten 11 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Europäische Währungsunion (auch Eurozone oder Euroland genannt) und führten den Euro als einheitliches Zahlungsmittel ein. Seither ist die Europäische Zentralbank mit der Durchführung der Geld- und Währungspolitik für die Eurozone betraut. Die nationalen Zentralbanken (in Deutschland die Deutsche Bundesbank) unterstützen die EZB operativ bei der Umsetzung geld- und währungspolitischer Beschlüsse.

Was macht eigentlich die EZB?

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Zentral- oder auch Notenbank für das Euro-Währungsgebiet. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Kaufkraft des Euro zu gewährleisten und damit für Preisstabilität im Euro-Raum zu sorgen.

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Die verschiedenen Aufgaben der EZB in Europa.     

Ziele der Geld- und Währungspolitik.

Der Einsatz der Geld- und Währungspolitik dient dem Erreichen übergeordneter Ziele wie Preisniveaustabilität, wirtschaftliches Wachstum oder hoher Beschäftigungsgrad. Die meisten Zentralbanken zielen auf ein hohes Maß an Preisniveaustabilität, d. h. auf niedrige, aber positive Inflationsraten. Die Europäische Zentralbank hat ein optimales Inflationsniveau von „nahe bei, aber unterhalb von 2 Prozent pro Jahr“ definiert.

Wichtige Grundzüge makroökonomischer Zusammenhänge zum besseren Verständnis der Geld- und Währungspolitik:

  • Je stärker das Wirtschaftswachstum, desto höher sind die Inflationsgefahren.
  • Je niedriger das allgemeine Zinsniveau, desto stärker die Kreditaufnahme von Unternehmen und Privatpersonen, desto stärker die Investitionstätigkeit und der Konsum, desto stärker das Wirtschaftswachstum.
  • Je höher das allgemeine Zinsniveau, desto geringer die Kreditaufnahme von Unternehmen und Privatpersonen, desto geringer die Investitionstätigkeit und der Konsum, desto geringer das Wirtschaftswachstum.
  • Je schwächer der Außenwert einer Währung (Beispiel: der EUR/USD-Wechselkurs fällt von 1,40 auf 1,30), desto billiger sind Exportgüter auf den Auslandsmärkten, desto stärker die Exporttätigkeit, desto stärker das Wirtschaftswachstum.
  • Aber auch: Je schwächer der Außenwert einer Währung, desto teurer sind importierte Güter (z. B. Rohöl), desto höher die Inflationsgefahren.

Wirtschaftliche Maßnahmen der Zentralbank.

Im Rahmen der Geld- und Währungspolitik versucht die Zentralbank, wirtschaftliche Kenngrößen wie z. B. die Kreditaufnahme der Unternehmen so zu beeinflussen, dass die Notenbank ihre Ziele bestmöglich erreicht.

Der Leitzins als wichtigstes Instrument der Zentralbank.

Wichtigstes Instrument ist der sogenannte Leitzins, zu dem Geschäftsbanken bei der Zentralbank Liquidität abrufen können. Je höher der Leitzins, desto niedriger die Kreditnachfrage, desto niedriger der Konsum und die Investitionen, desto geringer das Wirtschaftswachstum, desto geringer der Inflationsdruck. Über Veränderungen der Leitzinshöhe versucht die Notenbank, das Tempo der Konjunkturentwicklung und damit letztlich die Inflationsentwicklung zu steuern.

Weitere Instrumente der Zentralbank.

Daneben stehen einer Zentralbank eine Reihe anderer Instrumente zur Verfügung: Zum Beispiel kann sie über Mindestreservevorgaben auf die Liquiditätssituation der Geschäftsbanken einwirken (ein höherer Mindestreservesatz hat dabei im Prinzip die gleiche Wirkungskette zur Folge wie ein höherer Leitzins). In Extremsituationen kann eine Notenbank über den Ankauf von Staatsanleihen die Geldmenge im Finanzsystem und damit die Liquiditätsausstattung der Geschäftsbanken massiv erhöhen („QuantitativeEasing“). In dieser Zeit trat auch ein weiterer Auftrag der Zentralbanken in den Vordergrund: die Sicherung der Stabilität des Finanzsystems.

Einflussnahme durch Kommunikation.

Von immer größerer Bedeutung für die Kursbewegungen an den Finanzmärkten sind nicht nur die Maßnahmen einer Zentralbank, sondern auch ihre Kommunikation: Wie schätzt die Notenbank den weiteren Konjunktur- und Wachstumsausblick ein? Welche Prognosen gibt die Zentralbank selbst zur Entwicklung von Preisen, Wachstum, Arbeitslosigkeit und Zinsen ab? Wichtige Stellungnahmen von Notenbankchefs (Pressekonferenzen, parlamentarische Anhörungen) ziehen häufig stärkere Kursbewegungen nach sich als eine Leitzinsänderung.

Wer bestimmt die Währungspolitik?

Die Währungspolitik ist nicht grundsätzlich Bestandteil des Aufgabenbereichs einer Zentralbank. In den USA liegt die Währungspolitik in den Händen des Finanzministeriums, in der Eurozone entscheiden EU-Kommission sowie der Rat der EU-Finanzminister und der Europäischen Zentralbank gemeinsam. Änderungen der Wechselkurse und damit Änderungen des Außenwertes einer Währung haben aber bisweilen großen Einfluss auf die Wachstums- und Inflationserwartungen. In seltenen Fällen äußert sich eine Zentralbank dezidiert zur Entwicklung der Wechselkurse. In Schwellenländern ist der direkte Eingriff in die Währungsmärkte (auch: Devisenmärkte) üblich. Dabei verkauft eine Zentralbank inländische Währung und kauft dafür in der Regel US-Dollar mit dem Ziel, die eigene Währung zu schwächen. Oder die Zentralbank kauft die inländische Währung, um die eigene Währung zu stützen. Im letzteren Fall bedient sich die Zentralbank ihrer Fremdwährungsreserven. Während eine Zentralbank inländische Währung unbegrenzt kreieren („drucken“) kann, sind ihre Währungsreserven begrenzt.

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